Mitarbeiter

Ich kenne einige Menschen, die so arbeiten, als muessten sie ihren "Marktwert" durch ihre Leistung staendig unter Beweis stellen. "Arbeit wird in unserer Zeit zum Sinnstifter, zum Talisman des Gluecks." Zweifelsohne spielt die Arbeit eine wichtige Rolle bei der Persoeenlichkeitsentfaltung: Sie dient zur Identitaetsbildung, steigert das Selbstwertgefuehl, vermittelt soziale Anerkennung u. v. m. Es waere jedoch fatal, wollten wir den Wert eines Menschen daran festmachen, was er leistet: arbeitsunfaehige, Kinder und aeltere Menschen waeren dann naemlich sehr arm dran! Wichtig im Zusammenhang mit der Wertfrage erscheinen mir folgende Gemeinsamkeiten:

● Der Mensch kann sprechen. Wir koeennen Gedanken und Gefuehle aeussern, koeennen unsere Anliegen sowohl verbal als auch schriftlich ausdruecken. Wir koeennen reden, wir koeennen auch hoeeren, zuhoeeren und verstehen.

● Der Mensch hat ein aesthetisches Empfinden und schoeepferische Faehigkeiten. Wir sind in der Lage, Erlebtes musikalisch, graphisch, literarisch, photographisch und in vielen anderen Weisen zu beschreiben und zu verarbeiten.

● Der Mensch hat einen eigenen Willen.

● Der Mensch hat die Faehigkeit zu lieben und treu zu sein. Obwohl es uns leichter faellt, Menschen zu lieben, die uns sympathisch erscheinen, sind wir dennoch faehig, Menschen grundsaetzlich zu lieben - weil sie Hilfe brauchen, weil sie uns Leid tun und weil sie uns daran erinnern, dass auch wir nicht immer die Liebe verdienen, die wir erfahren haben. Darum kann ich Peter Hahne voll zustimmen, wenn er schreibt:
"Der Mensch ist kein Serientyp aus dem Labor, sondern ein einzigartiger Prototyp. Und das verleiht ihm einen Selbstwert, den ihm niemand nehmen darf."

Faule Drohne oder Arbeitstier?

Wenn ich vorher kritisch anmerkte, dass es viele Menschen gibt, die so arbeiten, als muessten sie ihren
"Marktwert" durch ihre Leistung staendig unter Beweis stellen, dann muss ich jetzt fairerweise ergaenzen, dass es wiederum "Exemplare" gibt, die sich vor der Arbeit druecken, als waere sie nur etwas fuer Menschen zweiter Klasse. Das Paradies war kein "Eldorado der Daeumchendreher". Und noch eins: Arbeit im Sinne von Dienen, sinnvoller und zielgerichteter Beschaeftigung, gehoeert einfach dazu. Wir muessen auch RUHEN koeennen. Man kommt innerlich kaum zur Ruhe. Die Gedanken kreisen und kreisen. Unsere Moderne schafft den Workaholic, den Arbeitssuechtigen. Die 60- bis 80-Stunden-Woche ist ihm wohlbekannt. Selbst im Urlaub kann er nicht abschalten. Handy und Laptop sind dabei. Er will immer 'online' sein, ueberall erreichbar, die Schalthebel der Macht immer im Visier. Das Selbstwertgefuehl holt er sich ueber die Arbeit, zu Lasten seiner Umgebung. Familien zerbrechen daran, fuer Freundschaften nimmt man sich keine Zeit, die Seele brennt aus - Burnout.

Workaholics sind Menschen auf der Flucht vor sich selbst.